Band 1 · Ich und der schlafende Mondstein

Die Lichthüter

Dein Kind wird an der Mondstein-Akademie aufgenommen, einer Zauberschule auf einer Insel im Glimmersee. In seinem ganz persönlichen Buch spielt es selbst die Hauptrolle. Keine Bildschirmzeit, sondern gemeinsame Abenteuer zum Vorlesen, Mitwürfeln und Einschlafen.

Ein kleiner Fuchs als Begleittier
Zum Aufnahme-Abenteuer

Ganz persönlich

Dein Kind ist die Heldin oder der Held, mit eigenem Namen, eigenem Aussehen und eigenem Begleittier.

Der Mutwürfel

Echte Würfelproben in der Geschichte: Klappt es gleich, oder probierst du es nochmal? Nochmal versuchen ist nie schlimm.

Zum Wiederlesen

Weil die Würfel jedes Mal anders fallen, klingt keine Nacht zweimal gleich. Und jede endet sanft im Einschlafen.

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Wer kommt in die Mondstein-Akademie?

Erzähle uns kurz von deinem Kind — dann erlebt es seine fünf persönlichen Aufnahme-Abenteuer: den Sommer, in dem die Mondstein-Akademie auf seinen Funken aufmerksam wird.

Für ein …
Augenfarbe
Haarfarbe

Auf Fotos sieht man Augen- und Haarfarbe oft nicht genau. So stimmt das Kind auf jedem Bild.

👪 Für Eltern: Leseprobe aus Band 1„Der Vollmondmarkt“, so klingt eine ganze Nacht im Buch, mit Würfelprobe und Mondsiegel.
Bitte nicht mit Ihrem Kind lesen. Diese Geschichte stammt aus der Woche vor der Abreise und würde ihm etwas vorwegnehmen. Sie ist mit dem Beispielnamen Mathilda geschrieben; tragen Sie oben den Namen Ihres Kindes ein, dann steht dort seiner.

Was bisher geschah: Vor ein paar Tagen hat Mathilda einen Brief bekommen: die Einladung an die Mondstein-Akademie, eine Zauberschule auf einer Insel im Glimmersee. Immer dabei ist Flausch, das Begleittier. Für Mama und Papa ist das alles nur ein ganz normales Internat, den Zauber sehen sie nicht. Am Sonntag fährt der Zug. Heute Abend wird auf dem Vollmondmarkt die Schulliste aus dem Brief eingekauft.

Am Freitagmorgen lag ein bunter Zettel im Briefkasten. Papa las ihn beim Frühstück vor: „Nachtflohmarkt auf dem Marktplatz! Freitag, ab Einbruch der Dunkelheit. Mit Lichterketten.“ Er zuckte mit den Schultern. „Komisch, davon habe ich noch nie gehört. Aber das klingt nett. Wollen wir hin?“

Mathilda nickte so heftig, dass fast der Kakao umkippte. Denn unter dem Kopfkissen hatte der Brief heute Nacht wieder geflüstert: Wenn der Vollmond über den Dächern steht, öffnet der Vollmondmarkt. Vergiss deine Liste nicht.

Der Tag dauerte ewig. Die Sonne wollte und wollte nicht untergehen, und als sie es endlich tat, ganz langsam, hinter den Dächern von Langlau, stand Mathilda schon längst angezogen an der Haustür, mit Flausch auf dem Arm und mit Omas langem Schal um den Hals. Dabei war es noch warm draußen. Aber den Schal gab Mathilda seit Mittwoch nicht mehr her.


Der Marktplatz war nicht wiederzuerkennen.

Für Mama und Papa hingen da ein paar Lichterketten zwischen den Laternen, und darunter standen Tapeziertische mit alten Sachen: Geschirr, Bücher, ein verbeultes Fahrrad. „Ganz schön leer“, murmelte Papa. „Naja.“

Aber Mathilda sah etwas ganz anderes.

Über dem ganzen Platz schwebten Laternen, ganz ohne Schnüre, in allen Farben, und schaukelten sanft in der warmen Nachtluft. Zwischen ihnen spannten sich Zeltdächer aus gestreiftem Stoff, rot und gold und nachtblau. Es duftete nach gebrannten Mandeln und nach etwas, das Mathilda noch nie gerochen hatte, ein bisschen wie Regen auf warmen Steinen. Unter einem der Zelte wuchsen Funkelpilze in Blumentöpfen und leuchteten grünlich vor sich hin. Und über allem stand der Vollmond, so groß und rund, als wollte er sich das ganz aus der Nähe ansehen.

„Oh“, machte Mathilda, ganz leise. Und Flausch rieb sich vor Freude die kleinen Pfoten.


Der erste Stand gehörte einer Frau mit einem Hut voller Federn. An einer langen Stange hingen Umhänge, schwarze und dunkelblaue, und alle bewegten sich ein kleines bisschen, als würden sie atmen.

„Na, wen haben wir denn da!“, sagte die Federfrau und beugte sich über den Tisch. „Für die Mondstein-Akademie?“ Mathilda nickte. „Dann brauchst du einen Umhang. Zeig mir mal deinen Brief.“

Mathilda holte den Brief aus der Jackentasche. Geld hatte Mathilda keins dabei, und darüber hatte Mathilda sich den ganzen Weg Sorgen gemacht. Aber die Federfrau tippte nur mit dem Finger auf die silberne Liste, und das Wort ganz oben, Umhang, glitzerte kurz auf und verschwand.

„Erledigt“, sagte sie. „Das bezahlt alles die Akademie. Steht doch im Brief.“

Sie nahm den kleinsten Umhang von der Stange und legte ihn Mathilda um die Schultern. Er war viel zu lang, er schleifte auf dem Boden. Aber dann zog er sich ganz von allein ein Stückchen zusammen, so wie eine Katze sich räkelt, und auf einmal passte er genau.

„Er wächst mit“, sagte die Federfrau und zwinkerte. „Bis zum Abschluss.“


Am nächsten Stand gab es Spitzhüte. Der erste, den Mathilda aufsetzte, rutschte sofort über die Augen, und alles war dunkel. Der zweite war so hoch, dass seine Spitze in einer Laterne hängen blieb. Der dritte war genau richtig. Auf dem Brief glitzerte das nächste Wort, Spitzhut, und war fort.

Am Stand daneben stand ein Mann mit einer Lederschürze voller Holzspäne vor einem Fass voller Zauberstäbe. Sie waren ganz unterschiedlich: krumme und gerade, helle und dunkle, einer hatte sogar noch ein Blatt dran.

„Leihstäbe“, sagte der Mann mit der Schürze. „Für das erste Jahr. Den eigenen Stab bekommst du später, im zweiten Jahr, vom Alten Boskop im Schulgarten. Such dir einen aus, der sich gut anfühlt.“

Mathilda probierte einen nach dem anderen. Der erste war zu schwer. Der zweite piekte. Aber der dritte war glatt und hell, und als Mathilda ihn in die Hand nahm, wurde er ganz leicht warm, wie ein Stein, der den ganzen Tag in der Sonne gelegen hat. Sie wusste sofort: Der ist es.


Mama hatte die ganze Zeit kaum etwas gesagt. Sie lief langsam zwischen den Ständen umher und strich manchmal mit der Hand über die Tische, als suche sie etwas, das sie verloren hatte. An einem kleinen Stand ganz am Rand, wo ein alter Mann mit weißem Bart Tintenfässer verkaufte, blieb sie stehen.

Der alte Mann schaute sie lange an. Dann sagte er leise, nur zu ihr: „Schön, dass du wieder da bist.“

„Wie bitte?“, fragte Mama.

Aber der alte Mann hatte sich schon Mathilda zugewandt. Er hielt ein Tintenfass hoch, in dem die Tinte ihre Farbe wechselte, von Blau zu Grün zu Gold. Er tippte auf den Brief, und das Wort Tintenfass glitzerte und verschwand.

Neben den Tintenfässern stand ein Korb voller Würfel. „Mutwürfel“, sagte der alte Mann. „Jedes neue Kind bekommt einen. Für alles, was schwer ist.“

Mathilda wollte gerade in den Korb greifen, da hob der alte Mann die Hand. „Nicht aus dem Korb“, sagte er. „Für dich habe ich einen anderen.“

Er griff in die Innentasche seines Mantels, ganz tief, und holte einen kleinen Würfel heraus. Auf den ersten Blick sah er aus wie alle anderen. Aber als er in der Hand von Mathilda lag, war er warm, so warm wie eine Hand, die man lange gehalten hat. Und für einen Atemzug glomm tief in ihm ein winziges Licht, blass wie der Stein in dem Turm auf dem silbernen Bild im Brief.

„Der steht nicht auf deiner Liste“, sagte der alte Mann leise. „Der hat sehr lange auf jemanden gewartet. Pass gut auf ihn auf.“

Bevor Mathilda etwas fragen konnte, hatte er sich schon umgedreht und sortierte seine Tintenfässer, als wäre nichts gewesen.

👪 Elternnotiz: Jetzt ist der Moment: Geben Sie Ihrem Kind seinen eigenen Würfel. Das kann der Sechser aus dem mitbestellten Würfel-Set sein oder ein Würfel von zu Hause, Hauptsache, er gehört ab heute nur ihm.


Dann kamen die Schulbücher. Und die waren ein Problem.

Die Schulbücher lagen nämlich nicht still auf dem Tisch. Sie flatterten. Sie schlugen mit ihren Seiten wie kleine Vögel mit den Flügeln und flogen in Kreisen um den Stand herum, und man musste sie fangen.

„Drei Stück brauchst du“, sagte die Buchhändlerin, eine kleine, runde Frau mit Brille. „Zwei sind ganz zahm. Aber das dritte, das Buch über Zauberwesen, das ist ein bisschen wild.“

Die ersten beiden ließen sich ganz leicht einfangen. Sie landeten auf dem Arm von Mathilda wie zwei müde Tauben. Das dritte aber flatterte hoch hinauf, bis zu den Laternen, und schaute von oben herab, als wollte es sagen: Fang mich doch.

Mathilda holte den Mutwürfel aus der Tasche. Den eigenen, zum allerersten Mal.


🎲 Probe: Das wilde Buch fangen

Würfle einmal. Ab einer 3 landet das Buch in deinen Armen.

1 oder 2: Ausgebüxt! Das Buch saust über den Kopf von Mathilda hinweg, schlägt einen Haken und landet ausgerechnet auf Papas Kopf, wo es sich gemütlich hinsetzt wie ein Hut. Papa merkt nichts. Er wundert sich nur, warum alle lachen. Flausch hilft und lockt das Buch mit einem Fussel herunter. Würfle noch einmal und zähle +1 dazu.

3, 4 oder 5: Gefangen! Mathilda streckt ganz ruhig die Hände aus und wartet, und wartet, bis das Buch müde wird und von ganz allein herunterflattert, mitten in die Arme hinein.

6: Ein Meisterfang! Das Buch kommt nicht nur herunter, es klappt sich in den Armen von Mathilda auf, und auf der ersten Seite bewegt sich ein Bild: ein kleiner Kobold mit roter Mütze, der frech herüberwinkt. Die Buchhändlerin klatscht in die Hände. „Das hat das Buch schon lange nicht mehr gemacht.“


Während die Buchhändlerin die Bücher auf der Liste verschwinden ließ, war Papa an einem Stand mit alten Lampen stehen geblieben. Die Händlerin dort hatte silberne Haare bis zu den Hüften und hielt ihm eine kleine Laterne hin.

„Die ist für Sie“, sagte sie.

„Was kostet sie denn?“, fragte Papa.

„Nichts“, sagte die Händlerin. „Aber verraten Sie mir eins: Worüber haben Sie heute gestaunt?“

Papa lachte verlegen. „Ich? Gestaunt?“ Er überlegte eine ganze Weile. Dann schaute er hinüber zu Mathilda, mit dem Umhang und dem Hut und den drei Büchern im Arm, und seine Stimme wurde ganz weich. „Darüber, wie mutig Mathilda ist“, sagte er. „Einfach so hinaus in die Welt.“

Die Händlerin lächelte und gab ihm die Laterne. Und für einen winzigen Moment, ganz kurz nur, flackerte darin ein Licht, obwohl gar keine Kerze darin war.


Es war schon spät, als sie nach Hause gingen. Mathilda trug den Hut auf dem Kopf und die Bücher im Arm. Den Zauberstab hielt Mathilda so fest, dass die Finger ganz weiß wurden.

„Was du da alles gefunden hast“, sagte Mama zu Hause und betrachtete den Stapel auf dem Küchentisch. Für sie war es ein alter schwarzer Mantel, ein Faschingshut, ein Stock aus dem Park und drei zerfledderte Bücher. „Das brauchst du doch nicht wirklich, oder?“

„Doch“, sagte Mathilda. „Ganz wirklich.“

Papa stellte seine Laterne auf das Fensterbrett. Dann schaute er hinein, drehte sie um und suchte die Batterie. Er fand keine.


Im Bett lag Mathilda lange wach. Der Umhang hing über dem Stuhl, und im Mondlicht sah es aus, als würde er ganz leise atmen. Der Zauberstab lag unter dem Kopfkissen, gleich neben dem Brief, und daneben der Mutwürfel. Beide waren noch ein bisschen warm. Und draußen stand der Vollmond, rund und hell, genau über den Dächern von Langlau.

Noch zwei Mal schlafen. Morgen. Und übermorgen dann der Zug.

Flausch rollte sich ganz dicht neben Mathilda zusammen. Mathilda legte die eine Hand auf den Zauberstab und die andere aufs Herz, da, wo der Funke wohnte. Und dann den Finger auf die Lippen.

🌙 Das Mondsiegel

Mondlicht, Mondlicht, in der Nacht, hüte, was ich heut gemacht. Mund zu, Augen zu, Funke, ruh.

Finger auf die Lippen. Hand aufs Herz, da wohnt der Funke. Augen zu. Ab jetzt wird kein Wort mehr gesprochen, sonst fliegen die Erinnerungen davon. Die nächste Geschichte kommt erst, wenn der Mond wieder aufgeht.